Weil am Rhein. Die Veränderungen in der Schullandschaft, die G8 und Ganztagsschule mit sich bringen, wirkt sich auch auf die Vereine aus. Kinder haben immer weniger Freizeit, um Sport zu treiben, Jugendliche um sich in Vereinen zu engagieren. Seit 2011 praktiziert der TV Weil ein sogenanntes „Jugendkonzept“, das auf Freiwilligendienstler setzt, und baut dieses weiter aus: Zur seit 2013 bestehenden Stelle ist nun noch eine zweite dazugekommen.

Das Konzept, junge Menschen über einen Freiwilligendienst mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder einem Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) in die Vereinsarbeit einzubinden, hatte der TV Weil vor drei Jahren als Versuch gestartet und sich damals einen FSJ’ler mit dem Verein Rot-Weiß Lörrach geteilt. Ein Jahr später bot er dann erstmals selbst eine solche Stelle an. Dieses Konzept hat sich bewährt und wird daher ausgebaut.

Mia Schweda war im Jahr 2013/2014 die erste FSJ’lerin im TV und wurde im darauffolgenden Jahr von „Bufdi“ Michelle Kohler abgelöst. Auf sie ist nun Hanna Brand gefolgt, die seit Mitte August im Einsatz ist. Neu ist auch Chiara Hock, die die neu geschaffene FSJ-Stelle angenommen hat, die den Verein weiter entlasten soll. Beide Stellen zusammen entsprechen 130 Prozent. „Vom Übungsplan her brauchen wir keine zwei vollen Kräfte. Hier und da gibt’s aber Überschneidungen, daher ist eine Kraft zu wenig“, erklärt Vorsitzender Ulrich Obrist.

Ausbildung zum Übungsleiter

Dem trägt ein FSJ-Modell Rechnung, das nicht nur einen neuen Namen hat, sondern auch flexibel aufgeteilt werden kann. Das „FSJ Sport und Schule“ beinhaltet eine Kooperation mit einer örtlichen Grundschule. Demnach ist Chiara Hock zu 30 Prozent ihrer Tätigkeit für den Turnverein im Einsatz und unterstützt zu 70 Prozent die Leopoldschule. Dort wird Hock als Assistentin des Sportlehrers eingesetzt – im Schwimmunterricht etwa muss immer eine Kraft am Beckenrand ­­ sein –,­ im Turnverein unterstützt sie den Übungsleiter.

Die Freiwilligendienstler sind quasi in alle Gruppen und Abteilungen eingebunden, in denen Jugendarbeit gemacht wird. Schwerpunkte sind Kinderturnen, Ballspiele und Leichtathletik. Hock und Brand haben ähnliche Aufgabengebiete und vertreten sich auch gegenseitig, wenn eine auf einem Lehrgang ist.

Daneben absolvieren die beiden eine Ausbildung zum Übungsleiter, wobei es allerdings mehr um den Umgang mit Kindern als um eine spezielle Sportart geht. So können sie nach ihrer Assistenzzeit auch selbst Gruppen übernehmen. „Zunächst werden sie von Übungsleitern unterstützt, die sich dann aber nach und nach zurückziehen“, weiß Obrist. Für diese, aber auch für die gesamte Abteilung und schließlich für den Verein sind die Freiwilligendienstler eine enorme Entlastung; und bei den Kindern kommen sie an.

Dies nützt dem TV Weil auch in seinen zahlreichen Kooperationen mit den Weiler Schulen. So wird Neu-Bufdi Hanna Brand etwa die Tanz-AG im Oberrhein-Gymnasium übernehmen. Gerade bei den Schulkooperationen sind die jungen Leute nahezu unverzichtbar, denn sie sind die einzigen, die tagsüber Zeit haben, im Gegensatz zu den Ehrenamtlichen, von denen die meisten berufstätig sind.

300 Euro Taschengeld für die Freiwilligen

300 Euro Taschengeld im Monat erhalten Hock und Brand für ihre Tätigkeit, die Kosten für Vereine liegen bei 400 Euro im Monat, weil Kosten für Versicherung, Fahrgeld, Lehrgänge und Verwaltung dazukommen. Für Schulen und Verein ist das FSJ-Modell „Sport und Schule“ eine absolute Win-Win-Situation, da einerseits das Ziel verfolgt wird, die Sportförderung in den Grundschulen zu stärken, und andererseits versucht wird, die Grundschüler mit dem Turnverein in Kontakt zu bringen.

Die Veränderungen in der Schullandschaft durch G8 und Ganztageschule führen dazu, dass Kinder weniger Zeit fürs Turnen haben und Jugendliche, sich im Vereinsleben zu engagieren. Durch beides gerät die Nachwuchsfindung ins Stocken. „Alle Sportvereine klagen darüber, dass die Kinder mit zwölf den Verein verlassen. Wir wollen sie aber nicht nur als Durchlauferhitzer, sondern längerfristig halten“, sagt Ulrich Obrist.

 Bewerbungen nehmen der TV Weil oder der Landessportverband entgegen.